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Theaterstück gekoppelt mit Gesprächsrunden und Workshops zum Abbau von Vorurteilen und rassistischen Einstellungen.
Regie: Cüneyt Ogan / Produktion: Theater Scheselong

Freitagnacht: Das Fast-Food-Restaurant hat endlich geschlossen, die Mitarbeiter beeilen sich beim Putzen und Aufräumen. Doch dann ein Schrei: „Da ist ein Baby!“ Einer ruft die Polizei. Schnell wird man sich bei der Befragung einig: Das Baby muss etwas mit der Frau zu tun haben, die kurz vor Schluss noch im Lokal war. Schnell wird spekuliert: War da nicht vor kurzem diese Romafrau im Laden? Das Kind kann nur von ihr zurückgelassen worden sein. Doch wer ist diese Frau? Ist sie Kroatin oder Rumänin, oder doch eine Bulgarin? Ganz egal - aus dem Osten halt , ein Phantom. Die Angestellten nennen sie Blanca und erzählen uns in Spielsequenzen ihre vermeintliche Lebensgeschichte. Die Frau aus dem unbekannten Land, die Frau mit den vielen Sprachen. Ist sie Bulgarin, Kroatin, Romni, die Nicht-Deutsche oder die Missbrauchte, die Täterin, die Kluge, die Naive, die Ausgebeutete, die Heldin? Oder ist sie einfach nur ein Mensch, der auszog, sein Glück zu finden?
Wir begleiten "Blanca". Wir tauchen ein in die Überlebensstrategien von Menschen, die sich durchbeißen, und erfahren gleichzeitig viel über uns selbst und die gesellschaftlichen Werte, Zuschreibungen und sozialen Rollen und Vorurteile, die wir, meist ohne sie zu hinterfragen, verinnerlicht haben.
Mit Phantom haben Lutz Hübner und Sarah Nemitz ein Stück geschrieben über die anderen, die ‚falschen’ Flüchtlinge, die osteuropäischen Zuwanderer, die Arbeitsmigranten aus Bulgarien und Rumänien. Die, denen man nun wirklich nicht auch noch helfen kann. Mehr noch aber, ist es ein Stück über uns: über die deutsche Gesellschaft und deutsche Vorurteile !
Buchbar ab 2020
Voranmeldungen sind ab sofort möglich.

Durchführungsorte und Zielgruppe
Zur Entstehung des Stücks
„Wir hatten 2015 vor der großen „Flüchtlingswelle“ mit dem Schreiben über „Arbeitsmigration“ angefangen“, so Lutz Hübner. „Irgendwann fing man an, Kriegsflüchtlinge aus Syrien gegen Wirtschaftsflüchtlinge aus Osteuropa auszuspielen. Die Biographien und Beweggründe der letzteren, in der öffentlichen Wahrnehmung unbeliebtesten Gruppe, interessierten uns, wir wollten ihre Beweggründe, hierher zu kommen, verstehen.“ In immer neuen Spielanordnungen, zeigt das Ensemble Situationen und Positionen rund um das „Phantom Blanca“, einer jungen Frau, die hier, mitten unter uns, lebt. Was als Stück über eine osteuropäische Arbeitsmigrantin beginnt, endet in einer radikalen Entlarvung unserer eigenen Werte, Zuordnungen, Vorurteile. Dabei gelingt es Hübner| Nemitz wie immer virtuos, mit den Mitteln des Humors durch tiefste Abgründe zu führen. Bei ihren Recherchen haben sich die beiden Welten angenähert, die weit von der ihren entfernt sind, Welten von Armut und bitterster Armut, von Schattenwirtschaft und Parallelgesellschaften. „Dieses Stück ist daher zwangsläufig spekulativ“, so Sarah Nemitz. Ihnen geht es nicht um Betroffenheit, vielmehr um eine Annäherung, im besten Fall um ein Verstehen.